Politik

Varoufakis meldet sich zurück

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Sein Knallhart-Kurs gegen die EU-Institutionen während der Schuldenkrise hat ihm den Titel „Euro-Schreck“ eingebracht. Danach war es längere Zeit ruhig um Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis (58).

Jetzt ist er wieder aufgetaucht! Seit Sonntag sitzt Varoufakis im Athener Parlament. Bei der Wahl kam seine Partei MeRA25 auf gut 3,4 Prozent. Das reicht in Griechenland für den Einzug in die Volksvertretung – es gilt die Drei-Prozent-Hürde.

Die Athener dürfen sich also demnächst wieder auf öffentlichkeitswirksame Auftritte des Wirtschaftsprofessors gefasst machen. Schon der Name seiner Partei ist skurril: MeRA25 bedeutet ausgeschrieben „Europäische realistische Ungehorsams-Front“.

  • Tsipras abgewählt

    Neuer Ministerpräsident für Griechenland

    Griechenland bekommt ein neues Parlament. Laut erster Prognosen wird Kyriakos Mitsotakis Ministerpräsident, Alexis Tsipras ist abgewählt.

Varoufakis dürfte wenig Einfluss haben

Wirklich viel Ungehorsam wird er aber wohl nicht leisten können. Denn mit dem großen politischen Einfluss dürfte es schwierig werden. Laut FAZ kann Varoufakis im Parlament auf keine Verbündeten zählen. Viele habe er mit seinen selbstverliebten Auftritten verprellt, sodass es in der griechischen Politik niemanden mehr gebe, der ihm traue.

▶︎ Bei der Parlamentswahl am Sonntag kam die konservative Partei Nea Dimokratia von Kyriakos Mitsotakis auf 39,7 Prozent. Im 300-köpfigen Parlament bedeutet das die absolute Mehrheit von mindestens 154 Sitzen. Die linke Partei Syriza von Noch-Ministerpräsident Alexis Tsipras wurde mit 31,5 Prozent abgestraft. Tsipras gratulierte noch am Abend seinem Konkurrenten Mitsotakis.

Drittstärkste Kraft ist die sozialdemokratische Partei Bewegung des Wandels (acht Prozent), gefolgt von der Kommunistischen Partei (KKE) mit rund 5,4 Prozent. Die rechtspopulistische Elliniki Lysi erzielte 3,8 Prozent. Die rechtsextreme Goldene Morgenröte schaffte den Einzug ins Parlament nicht (2,95 Prozent).

Wirbel um Stinkefinger

Varoufakis war von Ende Januar bis Anfang Juli 2015 Finanzminister an der Seite von Regierungschef Tsipras. Es war der Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise.

Damals lag ihm Europas Linke zu Füßen, ansonsten blickten viele mit Schrecken auf seine Anti-Euro-Show. Für kurze Zeit war er DAS Symbol für den Widerstand der griechischen Regierung gegen die Reform-Vorgaben der Troika aus Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit gab es außerdem Wirbel um einen Redeauftritt, bei dem Varoufakis Deutschland den Stinkefinger zeigte. TV-Moderator Günther Jauch konfrontierte den Finanzminister im März 2015 mit Videoaufnahmen, Varoufakis tat es als Fälschung ab. Kurz darauf behauptete Satiriker Jan Böhmermann, das Videomaterial manipuliert zu haben, was sich aber als Fake herausstellte.

Anfang Juli 2015, kein halbes Jahr später, war dann schon wieder Schluss für Varoufakis. Sein Ex-Kumpel Alexis Tsipras legte ihm den Rücktritt nahe.

Für Varoufakis kein Grund, sich komplett aus der Politik zurückzuziehen: Erst im Frühjahr machte er bei der Europawahl von sich reden. Für seine linke DiEM25-Liste trat er als deutscher Kandidat an. Das ging, weil Varoufakis einen Wohnsitz in Berlin hat. Gewählt wurde er trotzdem nicht.

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