Wissen und Technik

Der Ball ist eckig

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Ab Freitag spielt die Fußball-Bundesliga wieder. Mit einem neuen, aber traditionsbewussten Spielgerät.

Weniger flatterhaft soll der neue Ball “Derbystar” sein.

Ab Freitag rollt und fliegt in der ersten Fußball-Bundesliga ein neuer Ball. „Torfabrik“ hieß sein Vorgänger. Dass er seinem Namen Ehre gemacht hat, lag nicht nur nach Ansicht von Torhütern auch daran, dass er allerlei seltsame Flugkurven machte. Der Ball schlage „Haken, als säße ein Kaninchen drin“, würdigte ihn etwa der Trainer Thomas Tuchel. Der neue heißt „Derbystar“. Glaubt man dem Hersteller, dann endet mit ihm auch die Angst des Tormanns vor dem Flatterball.

Mit altem Rund ins ewig Eckige

Auf den ersten Blick ist er ein Schritt zurück in alte Fußball-Zeiten. Die Bälle der vergangenen drei Fußball-Weltmeisterschaften namens „Jabulani“, „Brazuca“, „Telstar 18“ sowie die „Torfabrik“ bestanden aus geschwungen geformten Paneelen, die zusammengeklebt oder thermisch miteinander verschweißt eine nahezu kugelrunde Form ergaben. Derbystar dagegen sieht wieder aus wie der Ball, den der Däne Eigil Nielsen – ein Torhüter – 1962 ausgetüftelt hatte und der erstmals bei der WM 1970 Gerd Müller vor die Füße und Sepp Maier in die Hände fiel. An seiner Geometrie hätten schon Archimedes und Platon ihre Freude gehabt: Er ist eigentlich keine Kugel, sondern ein gewölbtes – korrekt gesagt: konvexes – archimedisches Polyeder, das sich aus 20 regelmäßigen Sechsecken und zwölf regelmäßigen Fünfecken zusammensetzt. „Ikosaeder-Stumpf“ heißt so etwas. Der Name deutet an, wie man den Körper des Derbystar-Balls mit seinen insgesamt 32 Flächen konstruieren kann: Man nehme ein Ikosaeder, also das platonische Polyeder, das aus 20 gleichseitigen Dreiecken besteht. Wenn man die zwölf spitzen Ecken eines Ikosaeders abschneidet, also „abstumpft“, entstehen dort zwölf Fünfecke, während sich gleichzeitig die 20 Dreiecksflächen in Sechsecke verwandelt haben. Fertig ist das abgestumpfte Ikosaeder mit 90 Kanten und 60 Ecken. So eines ist nun auch der Derbystar-Ball wieder.

Dellen lassen den Ball besser durch die Luft gleiten

Wie sehr Spieler ihn platonisch oder auch emotionaler lieben werden, wird sich zeigen. An sich ist diese geometrische Gestalt nicht unpopulär: Könnte man einen Derbystar 200 Millionen Mal verkleinern und seine 60 Ecken jeweils mit einem Kohlenstoff-Atom besetzen, ergäbe sich die Struktur des „Fulleren-Moleküls C60“. „Fullerene“ heißen solche Strukturen, weil sie an die Formenwelt des Architekten Buckminster Fuller erinnern. Dessen Kuppelbauten aus Gerüsten aus regelmäßigen Fünf- und Sechsecken erregten auf der Weltausstellung 1967 in Montreal Aufsehen. Für die Entdeckung und Herstellung des Fulleren-Moleküls C60 erhielten drei Chemiker 1996 den Nobelpreis. Fulleren-Moleküle haben viele Eigenschaften, die sie für eine Verwendung in Medizin und Technik interessant machen. Sogar als Radikalfänger werden sie vermarktet und Cremes gegen Hautalterung beigemischt. Auch in Solarzellen werden sie eingesetzt.

Die 32 Fünf- und Sechsecke der Derbystar-Bälle werden um eine Blase aus Naturlatex herum mit einem 18 Meter langen Faden und rund 700 Stichen von Hand zusammengenäht. Entscheidend für das Flugverhalten des Balls sind die 90 Rillen, die zwischen den Paneelen entstehen. Sie verwirbeln die Luft, die an der Oberfläche des fliegenden Balls vorbeiströmt. Dadurch wird die Wirbelschleppe kleiner, die der Ball hinter sich herzieht und die seine Geschwindigkeit abbremst. Die Rillen erhöhen den Luftwiderstand keinesfalls, sondern verringern ihn. Zur Unterstützung der windschlüpfrigen Wirkung der Rillen ist die Oberfläche des Derbystar-Balls zusätzlich übersät von kleinen Dellen. Sie gleichen den „Dimples“ auf Golfbällen und erzeugen in der vorbeiströmenden Luftschicht viele kleine Windwirbel, die den Ball ohne großen Luftwiderstand glatt durch die Luft gleiten lassen. Laut Hersteller hat der Ball im Windtunnel der Universität in Tsukuba (Japan) genau die gewünschten Eigenschaften gezeigt Ab dem morgigen Freitag werden auch die Erstliga-Fans sehen können, ob Hightech tatsächlich einen platonischen Körper in einen schnellen, aber flackerfreien Fußball verwandeln konnte.

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