Deutschland

Minister sollen Linie fliegen

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Die Flugbereitschaft ist bei deutschen Politikern nicht sehr beliebt. Oft konnten die maroden Jets nicht starten. Nach Informationen des “Spiegel” soll nun Linie geflogen werden – das will aber auch nicht jeder.

Nach Informationen des “Spiegel” werden die meisten Minister künftig Linienflüge buchen. VIP-Flieger bleiben einem kleinen Kreis vorbehalten. So schreibt das Magazin, dass die weißen VIP-Jets der Luftwaffe in Zukunft hauptsächlich für die “priorisierten Anforderungsträger” zur Verfügung stünden. Darunter fallen der Bundespräsident, die Kanzlerin, der Vizekanzler und die Ressortchefs des Auswärtigen Amts sowie des Innenministeriums. Bestätigt wurden die Angaben durch die Luftwaffe. Ein Sprecher wies aber darauf hin, dass Reserveflieger nur auf Anforderung von Spitzenpolitikern bereitgestellt würden.

Für Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel werde sogar bei jeder Reise eine Ersatzmaschine mit Crew, im Fliegerjargon “Hot Spare” genannt, in Deutschland bereitgehalten oder fliegt parallel mit, um bei Pannen eingesetzt zu werden, so der “Spiegel”.

Wegen der Fokussierung auf die wichtigsten Regierungsmitglieder werde es “zwangsläufig erhebliche Absagen an niederpriorisierte Anforderungsberechtigte ” geben, heißt es in einem internen Papier aus dem Verteidigungsministerium das dem Magazin vorliegt. Erste “Opfer” der Umstrukturierung: Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Entwicklungsminister Gerd Müller. Altmaier musste eine für Ende Februar geplante Asienreise verlegen, Müller musste seine Visite in Lateinamerika per Linienflug absolvieren.

“Kaum möglich”

Der CSU-Mann kritisierte prompt: “Zur Wahrnehmung meiner Verpflichtungen in unseren rund 80 Partnerländern in Afrika, Asien und Lateinamerika ist es nicht ganz einfach, und zum Teil auch nicht möglich, per Linie zu fliegen”, sagte der Entwicklungsminister dem “Spiegel”. Laut Müller müssen Präsident und Kanzlerin natürlich jederzeit auf die Regierungsflugzeuge zugreifen können. Allerdings sollte sich die Nutzung aus den Notwendigkeiten und “nicht aus einer überholten rein protokollarischen Rangordnung der Ressorts” ergeben, zitiert das Blatt den Minister.

Gegen Linienflüge: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

Gestrandet in aller Welt

Deutschlands Flugbereitschaft liefert seit Monaten Schlagzeilen. So konnte wegen eines Hydraulik-Defekts am Fahrwerk der Maschine vom Typ A319 Außenminister Heiko Maas nicht wie geplant im Februar von Mali nach Deutschland zurückfliegen. Da das Problem auch so schnell nicht behoben werden konnte, schickte die Luftwaffe den A340 “Theodor Heuss” vom militärischen Flughafen Köln-Wahn nach Bamako, um Maas und seine Delegation abzuholen.

Im Januar erwischte es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er saß stundenlang in Äthiopien fest. Als Grund wurde ein “Druckluftproblem” genannt. Erst mit rund dreistündiger Verspätung konnte Steinmeier schließlich mit dem Regierungsflieger abheben. Der Vorfall weckte Zweifel, ob Bundeskanzlerin Angela Merkel wenige Tage später mit derselben Maschine nach Japan fliegen kann. Doch die Reise fand wie geplant statt.

Frank-Walter Steinmeier an Bord der Regierungsmaschine “Theodor Heuss” auf dem Weg nach Äthiopien

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hatte bei einer Afrikareise gleich mehrfach Pech. Wegen einer Flugzeugpanne musste er seine Tour durch mehrere afrikanische Länder in Malawi unterbrechen. Ursache des Ausfalls war offensichtlich ein defektes Ventil an der Regierungsmaschine. Mit einer Linienmaschine konnte Müller nach Sambia weiterreisen. Einen Besuch in Namibia musste er dagegen absagen, da es in dem benötigten Zeitraum keinen Linienflug von Sambia dorthin gab.

Wegen eines erneuten Defekts an seiner Maschine musste dann der Minister auch zurück nach Deutschland Linie fliegen. Entsprechend verärgert äußerte er sich und forderte, die “Kette von technischen Problemen müsse jetzt gründlich aufgearbeitet werden”.

Auch Merkel betroffen

Internationales Aufsehen erregte die Flugzeugpanne von Kanzlerin Merkel, die im November vergangenen Jahres auf dem Weg zum G20-Gipfel in Buenos Aires wegen eines Totalausfalls des Funksystems umkehren musste. Sie musste auf eine Linienmaschine umsteigen und traf mit einer stark verkleinerten Delegation erst mit großer Verspätung bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Argentinien ein.

cgn/gri (Der Spiegel, afp, dpa)

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